Am Sonntag malte ich Molfsee in Gouache und bekam Lust, endlich mal wieder eine Radtour zu machen und es mit dem Draußenmalen zu verbinden. Doch in den letzten Wochen war es sehr wechselhaft, weshalb es mich nicht so recht motivierte, draußen zu malen. Doch am Dienstag, an meinem freien Tag, wollte ich es einmal wagen. Die Wettervorhersage schien jedenfalls besser auszusehen, als die letzten zwei Wochen. Grau war es trotzdem.

1. Etappe: Nord-Ostsee-Kanal

So machte ich mich also recht früh auf den Weg und fuhr zum Nord-Ostsee-Kanal. Genau wusste ich noch nicht, wohin ich fahren sollte, aber so wie ich mich kenne, hätte ein Plan nicht viel gebracht. Denn auf einer Radtour entscheide ich so manches Mal spontan. Das ist Mal wetterabhängig, Mal aber auch motivabhängig. Auf dieser Tour war beides dabei.

Mein erster Halt war die Levensauer Hochbrücke, doch dort blieb ich nicht zum Malen. Ein Blick auf den Kanal und die umliegende Natur zeigte mir, wo ich noch nie war und schon länger einmal hinfahren wollte: zum Obstcafé Warleberg. Das liegt etwas oberhalb vom Kanal und die Bäume schienen gerade zu blühen.

So entschied ich, dort vorbeizuschauen und irgendwo dort evtl. auch mein erstes Bild zu malen. Der Blick von dort auf den Kanal soll ja ganz schick sein. Doch auf dem Weg dorthin zog es sich jedoch weiter zu und es wurde immer dunkler. Es war eine seltsame Stimmung, die ich nicht beschreiben kann. Also hielt ich an, kurz bevor ich mein erstes Ziel erreicht hatte und hockte mich auf einen der Poller und malte mein erstes Bild. Ich wollte unbedingt die Stimmung einfangen. Doch mir blieb nicht viel Zeit, da die Wolken schnell weiterzogen. Also schmierte ich in 30 Minuten das folgende Bild mit Aquarell in mein kleines Skizzenbuch. Ein paar Tropfen kamen herunter, aber nur wenige. Dennoch beeilte ich mich und packte bald meine Sachen zusammen.

2. Etappe: Dorf und Land

Als ich das Bild fertig hatte, fuhr ich das kleine Stück bis zur Abzweigung weiter und schob dann mein Rad den Hügel zur Plantage (zum „Obstcafé“) hinauf. Als ich oben ankam, konnte ich noch ein paar Fotos machen, aber dann begann es zu schütten. Also suchte ich mir einen Unterschlupf (ja, ich hätte mich beim Café unterstellen können, doch da fuhr ich bereits weiter Richtung Dorf). Im Dorf entdeckte ich dann eine Bushaltestelle, ein kleines Holzhäuschen, welches mich vor dem heftiger werdenden Regen schützte.

Irgendwann wurde der Regen aber weniger und ich setzte, noch während es nieselte, meinen Weg fort. Unweit dieser Bushaltestelle liegt der Warleberger Hof. Dort stehen wunderschöne Häuser, die ich unbedingt später noch einmal zeichnen/malen möchte. (Vielleicht mag jemand mit mir dort malen?)

Doch an diesem Tag war es mir noch etwas zu nass, also fuhr ich weiter, um die Gegend weiter zu erkunden. So könnte ich mir die Motive für eine weitere Radtour aufheben. Und weil es so viele Motive zu zeichnen gibt, werde ich da sicherlich eine Weile, wenn nicht sogar einen ganzen Tag dort verbringen können.

Neugierig und planlos folgte einem Radweg, der mir völlig unbekannt war. Aber weil ich ja Zeit hatte, wollte ich unbedingt ein paar neue Wege ausprobieren und die Gegend hier besser kennenlernen. Und vielleicht finden sich ja noch weitere Motive auf meinem Weg. Sonst bin ich immer direkt ans Meer gefahren, aber das kann ja jeder! Darum sollte es heute unbedingt mal eine andere Tour sein, die es dann ja auch geworden ist.

Auf meinen Wegen habe ich weitere Motive gefunden, aber dem Himmel nach zu urteilen, würde ich keine Zeit haben, eines der Motive zu malen. Es zog wieder eine dunkle Wolke auf und schob sich in meine Richtung. Mein Gedanke: „Hoffentlich finde ich noch etwas, wo ich mich unterstellen kann.“ Doch das brauchte ich gar nicht, denn eine wunderschöne Allee schützte mich vor dem neuen Schauer.

Ich wartete den Guss ab, denn ich konnte durch ein paar Lücken in den Bäumen und Büschen den helleren Himmel sehen. Danach fuhr ich wieder Richtung Kanal. So langsam wollte ich dann wieder Richtung „Heimat“ fahren, denn die Regengüsse machen auf Dauer ja keinen Spaß.

Nach einer Weile mit nur wenigen Zwischenhalten, erreichte ich Neuwittenbek. Dabei kam gerade ein wenig die Sonne heraus, aber sie hatte stark zu kämpfen. Die Wolken waren dann doch zu dicht. Dennoch erreichte mich eine Welle warmer Luft, die allerdings nur von kurzer Dauer schien. Immerhin blieb es endlich einmal trocken.

3. Etappe: Rapsfelder ohne Ende

Ich fuhr weiter wieder in Richtung Kiel, als mir ein Gedanke kam: die Rathmannsdorfer Schleuse liegt nicht weit entfernt. Also überlegte ich mir, einen kleinen Umweg zu machen. Auf dem Weg zur Schleuse entdeckte ich dann die ersten blühenden Rapsfelder (auf der ganzen Strecke hatte ich kein einziges Feld sehen können) und sofort hatte ich Lust, ein solches Feld zu malen. Doch direkt an der Straße, wo es keinen Radweg gibt, wäre es einfach ungünstig. Also fuhr ich weiter zur Schleuse und hoffte, noch irgendwo ein schönes Plätzchen mit Blick auf ein Rapsfeld zu bekommen.

Bei der alten Schleuse angekommen, sah ich dann auch etwas Gelbes durch die Bäume schimmern. Ich war also auf dem richtigen Weg. Ich wusste, weil ich an der Schleuse schon ein paar Mal wandern war, dass es hier eine Aussicht auf Felder gibt. Bei dieser Aussicht stand auch eine Bank, zu der ich dann unterwegs war. Einen anderen Blick könnt ihr in diesem Beitrag sehen: Durch Laub und Sand am Wasser entlang

Was soll ich sagen: Es war perfekt! Hier sollte dann mein zweites Motiv entstehen: Ein Landschaftsbild und die Rapsblüte in einem Bild vereint!

Auf der Bank richtete ich meinen „Arbeitsplatz“ ein und lehnte mich während des Malens entspannt zurück. Für mein zweites Motiv verwendete ich Gouachefarben. Ich hatte das Gefühl, dass diese das Rapsfeld so richtig schön leuchten lassen würden.

Nachdem ich mein Bild fertig gestellt hatte, packte ich meine Sachen zusammen und fuhr dann ohne Zwischenhalte direkt nach Hause. Zuhause angekommen, sah ich dann, wie weit ich gefahren war: etwas mehr als 40 km, und das obwohl ich schon eine ganze Weile nicht mehr so lange Strecken gefahren bin. Ich fahre zwar täglich mit dem Rad zur Arbeit, aber da bekomme ich gerade mal weniger als 1/4 der Strecke zusammen (so um die 7-8 km Hin- und Rückfahrt). Meine letzte größere Tour (zum Westensee) liegt nun schon 6 Wochen zurück. Da waren es knapp 50 km.