Oder wie ich zur Aquarellmalerei kam (und blieb?).

Egal welches Malmedium ich ausprobiere oder auch länger benutze, ich kehre immer wieder zum Aquarell zurück. Aber warum ist das so? Das möchte ich euch heute einmal erzählen.

Meine ersten Aquarellfarben

Meinen allerersten Aquarellmalkasten habe ich im Dezember 2013 von einer Freundin bekommen. Sie malte lieber mit Copic Markern und kam damals mit Aquarell nicht zurecht. Ich hatte zu dem Zeitpunkt mit normalen Schulmalfarben gemalt und ein paar wenigen Copic Markern. Doch damit kam ich nicht so richtig zurecht. Also malte ich mit den „Wasserfarben“ aus dem Schulmalkasten.

Als ich dann zum Geburtstag meinen ersten Schmincke-Aquarellkasten bekommen habe, wusste ich noch nicht, was mich erwarten würde. Ich wusste nur, dass es ganz andere „Wasserfarben“ sind. Bessere sozusagen. Von „Aquarell“ hatte ich bis dahin wohl nur in der Schule einmal gehört (und wahrscheinlich auch wieder vergessen).

Mein erster Schmincke-Aquarellkasten mit den Originalfarben im kleinsten Set plus eine Zusatzfarbe: Hautfarbe (die habe ich mir später noch zusätzlich zugelegt)

Als ich sie ausprobierte, war ich überwältigt von der Farb- und Leuchtkraft und musste sofort ein ganzes Bild damit malen. Dabei ist mein Märchenbild „Die Bienenkönigin“ entstanden. Als ich dieses Bild gemalt hatte, war ich ganz stolz. Die Farben leuchteten so schön!

Mein erstes Aquarellbild auf (leider billigen) Aquarellpapier, welches sich im Nachhinein betrachtet gar nicht wie richtiges Aquarellpapier anfühlt.

Kritische Betrachtung

Doch ein Künstler ist immer kritisch mit seiner Arbeit und so hatte ich bald etwas daran auszusetzen. Stolz ja, ein tolles Bild geschaffen, aber enttäuscht, dass es so fleckig aussah. Ich benutzte beim Malen dieses Bildes einen sog. Wassertankpinsel. Mit dem konnte ich aber noch nicht so richtig umgehen, sodass mein Bild noch sehr „fleckig“ und mit sog. Blumenköhlern bestückt ist, wie man sehen kann. Ein weiteres Problem war das Papier. Es nannte sich zwar „Aquarellpapier“, kostete fast nix, war mit 190 g doch recht dünn und dementsprechend wellte es sich bei zuviel Wasser. Doch ehe diese Erkenntnis kam, dauerte es noch einige Jahre…

Meine Aquarellfarben von Schmincke

Zunächst legte ich mir noch einen größeren Schmincke-Aquarellkasten zu und erweiterte meine „Farbpalette“ in Form von weiteren Näpfchen. Die Tuben, wie auf den beiden Bildern zu sehen, kamen erst viel später dazu.

Meine kleinen Sets mit supergranulierenden Farben

Bevor ich mir Tuben kaufte, malte ich ausschließlich mit Näpfchen. Ich liebe es einfach, mit einem kleinen Kasten überall malen zu können. Farben mischen konnte ich noch nicht so recht, aber das lernte ich mit der Zeit. Denn ich hatte damals nicht viel Geld, um mir regelmäßig neue Farben kaufen zu können. Aber eigentlich braucht man gar nicht so viele Farben (ich liebe es aber dennoch, wenn mein Kasten bunt wie ein Regenbogen bestückt ist 😀 verrückt oder?). Die Tuben kaufte ich mir vor allem, weil ich zum einen die Näpfchen damit wieder befüllen konnte und zum anderen nutze ich die Tuben für große Formate (ab DIN A4). Hier lässt es sich einfach besser mit Tuben arbeiten, da man für größere Bilder mehr Farbe braucht und man diese auf der Palette einfach schneller und einfacher mischen kann. Bei kleinen Motiven reicht mir mein Aquarellkasten mit Näpfchen völlig aus (auch beim Draußen malen).

Ein Flecken- oder Flächenproblem?

Nachdem ich dann also meine Farben „aufgestockt“ habe, merkte ich, dass ich zwar tolle Farben habe, aber meine Bilder immer noch nicht so wurden, wie ich sie haben wollte. Also überlegte ich mir, woran das liegen könnte. Ich besorgte mir anderes Aquarellpapier, dieses Mal aber aus dem Künstlerbedarf. Die Blumenköhler wurden weniger, aber bei großen Flächen hatte ich immer noch diese „hellen Flecke“. In diesem Bild sieht man das deutlich am Hintergrund und an der Fischflosse. Sobald ich mit dem Wassertankpinsel eine große Fläche bemalen wollte, kam ich immer wieder auf dieses Ergebnis. Doch auch hier wusste ich immer noch nicht, woran das liegt.

Da ich mir das Zeichnen und Malen sowie das „Aquarellieren“ selber beibrachte (damals noch ohne Bücher oder Youtube-Videos), fand ich hier einfach keine Lösung. Also versuchte ich noch ein anderes Papier. Hier sah es nicht ganz so „schlimm“ aus, aber hier hatte ich ein kleines Format gewählt und nicht so extrem große Flächen mit nur einer Farbe füllen müssen.

Aquarellpapier im Postkartenformat

Erste Erkenntnisse

Bei einem anderen Bild kamen dann die ersten „Aha-Effekte“: Das Papier vorher nass zu machen ergibt weiche Effekte/Ränder. Die Farbe in mehreren Schichten aufzutragen, löst das „Fleckenproblem“ ein wenig. Aber das funktionierte nur mit „richtigem“ Aquarellpapier. Bei dem billigen, meinem ersten Aquarellpapier funktionierte das dennoch nicht. Die Flecken blieben weiterhin sichtbar. Das Papier saugt nämlich extrem stark das Wasser auf und war meistens schon trocken, bevor ich mit der Farbe anfangen konnte. Die Blumenköhler selbst bekam ich aber zu dem Zeitpunkt immer noch nicht vollständig weg.

Den Hintergrund nass-in-nass gemalt, die Blumen in mehreren Schichten aufgetragen.

Erst nach einigen Jahren legte ich mir richtige Pinsel zu (den Wassertankpinsel nutze ich ab und zu unterwegs und selbst da habe ich noch ein paar kleine richtige Pinsel dabei) und belegte dann auch einen Aquarellkurs. Dann schaute ich mich auch vermehrt auf Youtube nach Aquarelltechniken und Malweisen um und kaufte mir auch einige Aquarellbücher (die sind alle auf Englisch). Dabei kam ich so langsam vom „Ausmalen“ (und Malen) meiner Fantasymotive weg und begann teilweise realistisch zu malen. Auch in Aquarell. So entstand mein „Anker“.

Draußen malen – immer wieder

Auch beim Urban sketching malte ich zu Beginn ausschließlich mit Aquarell. Doch hier kam dann der Wassertankpinsel noch zum Einsatz. Mittlerweile nutze ich den kaum noch. Mir waren die Farben nie Kräftig genug und so richtig „Tiefe“ erzeugen konnte ich mit dem Pinsel nicht, auch wenn ich mehrere Schichten drauf setzte. Mit der Zeit merkte ich, dass der Pinsel nicht für „meine Technik“ geeignet ist und benutzte dann immer häufiger lieber richtige Pinsel.

Eine Skizze von der St. Michaelis Kapelle in Witzenhausen, gemalt im Sommer 2018 vor Ort ins Aquarellskizzenbuch

Durch das regelmäßige Zeichnen und Malen, lernte ich aber nicht nur Perspektive, sondern auch den Einsatz von Farbe. So veränderte sich langsam aber auch meine Art zu colorieren: zu Beginn habe ich noch „ausgemalt“, später wurden meine Bilder malerisch wie ein „richtiges“ Aquarell.

Hier habe ich fast nur mit Farbe gearbeitet. Nur eine Bleistiftskizze habe ich hier vorher angelegt.

Durch Kurse ein Schritt nach vorn

Ich hatte zwischen den beiden letzten gezeigten Motiven aber auch noch einmal intensiver Malkurse belegt. Dort lernte ich dann einige Techniken. Noch ganz unbeholfen mit der „neuen“ Maltechnik versuchte ich mich an einem Städtemotiv. Auch wenn ich mit dem Bild nicht zufrieden war, begann ich ab diesem Zeitpunkt das Aquarell noch mehr zu lieben. Vorher weil es praktisch für unterwegs war (man braucht keine Leinwand, keine Kiste voll mit Farben etc.), jetzt weil ich endlich auch schöne Bilder damit malen kann, weiche und harte Übergänge hinbekomme, vor allem da wo sie eben sein sollen. Und das Blumenkohl-Problem hatte sich auch gelöst: Es lag an der Konsistenz der Farbe. Ich hatte immer zuviel Wasser dabei. Mit einem Wassertankpinsel habe ich die Konsistenz nie richtig hinbekommen. Mit richtigen Pinseln schon. Daher nutze ich jetzt auch viel lieber solche Pinsel, auch wenn ich nun immer einen Wassertopf mit mit herumschleppen muss.

Mein Fazit über Aquarell, Papier und Pinsel

Man braucht schon „ordentliches“ Material, wenn man richtig Aquarellieren will. Und ich selbst habe für mich festgestellt, dass es mit dem für mich „richtigen“ Material auch total viel Spaß machen kann, mit Aquarell zu malen. Es gibt Tage, da kann ich so manches Mal gar nicht aufhören zu malen! Aber um das „richtige“ Material für sich zu finden muss man leider das ein oder andere zunächst ausprobieren. Denn nicht jeder malt im gleichen Stil oder Technik und jeder hat ja auch einen anderen Geschmack. Die einen kommen mit dem Wassertankpinsel gut zurecht, andere leider nicht. Wer aber nicht zuviel ausprobieren möchte und schon eine genaue Vorstellung hat, welche Art von Bildern gemalt werden „soll“, der kann sich sicherlich gut an solchen Anleitungsbüchern halten. Die vorgegebenen Materialien haben auch bei mir immer ganz gut funktioniert. Nur war das nicht immer das, was ich malen wollte 🙂